Das Wappen Bayern:

Bayerns Herrscher waren bis 1624 Herzöge, erhielten dann im Dreißigjährigen Krieg die Friedrich von der Pfalz genommene Kurfürstenwürde und wurden schließlich 1806 Könige von Bayern. Mit diesen Änderungen des Ranges des je weiligen Herrschers änderte sich natürlich auch das Wappen des Staates. Ge blieben sind jedoch immer die beiden Traditionswappen, der Löwe, den wir auch heute noch im großen Staatswappen finden, und der Rautenschild, der im großen Staatswappen als Herzschild vorkommt und das kleine Staatswappen allein bil det. Ich möchte zunächst vom heutigen Wappen des Freistaats Bayern ausgehen und dann nach rückwärts bis zu den ersten Wappen der Herzöge zurückgehen. Ich glaube, daß ich dann auch besser darstellen kann, wie es zu dem heutigen Wap pen gekommen ist. Das heutige Staatswappen wurde 1950 vom Landtag mit einem Gesetz über das bayerische Staatswappen beschlossen. Das vierteilige Wappen soll gewissermaßen die bayerischen Volksteile Altbayern, Schwaben, Franken und Pfälzer bzw. Oberpfälzer symbolisieren, auf den als Herzschild der Rautenschild aufgesetzt wurde, der den gesamtbayerischen Staat kennzeichnen soll, weshalb er auch das kleine Staatswappen bildet, wobei ab und zu auch die Oberbayern den Rautenschild als Kennzeichen ihres Regierungsbezirks für sich in Anspruch nehmen wollen. Historisch gesehen ist allerdings die Auffassung der Darstellung der einzelnen Volksteile, Sprachgruppen, oder wie man es immer bezeichnen mag, ebenso un richtig, wie die Behauptung, daß der Rautenschild eine speziell oberbayerische Wappenkennzeichnung ist. Der Rautenschild ist auch nicht der älteste und damit ursprünglichste bayerische Wappenschild, wie man manchmal zu hören be kommt. Dies ist vielmehr der Löwe im oberen rechten Feld (bei einem Wappen ist immer die Sicht von der Seite des Schildträgers die Bezeichnung für rechts und links, d.h. was für den Beschauer auf der linken Seite ist, gilt als rechte Seite. Die Wappen sind im Lauf des 12. Jahrhunderts entstanden, als die durch ihre Rüstung nicht mehr persönlich erkennbaren Ritter sich durch Farben an Gewand und Schild kenntlich machten, was zunächst mit einfachen, später komplizierten und heraldisch ausgeschmückten Zeichen und Tierbildern geschah. Dabei blieben die besonderen Tierzeichen wie Löwe und Adler ursprünglich den größeren Her ren, den Herzögen und vor allem dem König vorbehalten, und auch die Grafen, Burggrafen, Markgrafen und Pfalzgrafen führte als Vertreter des Herzogs oder des Königs deren Wappen. Auch die Hohenstaufen führten als Zeichen ihrer Herrschermacht neben ihrem Familienwappen, auf das ich noch zurückkommen werde, den Löwen. Otto von Wittelsbach, der von Kaiser Friedrich Barbarossa 1180 als Herzog von Bayern eingesetzt wurde, nachdem die Welfenherrschaft mit dem Hochverratsprozeß gegen Heinrich den Löwen ihr Ende gefunden hatte und die österreichischen Babenberger mehr am neugebildeten, von Bayern abge trennten Herzogtum Österreich interessiert waren, war zunächst Pfalzgraf bei Rhein, wie es so schön hieß, d.h. er war der oberste Verwalter der königlichen Burgen und damit Vertreter des Königs bei dessen sehr häufiger Abwesenheit, und übernahm als solcher das königliche Wappenzeichen, den goldenen Löwen, das dann von seinem Sohn Ludwig dem Kelheimer 1214 und seinem Enkel Otto II. nach 1231 jeweils nach der Belehnung mit der Pfalzgrafschaft endgültig als eigenes Wappen geführt wird. Der blieb dann im bayerischen Wappen, und wurde bei der Teilung Bayerns in Oberbayern, Niederbayern und die Pfalz sowohl von den bayerischen wie den Pfälzer Wittelsbachern im Wappen geführt. Die Oberpfalz, die bis 1624 von der Pfälzer Linie der Wittelsbacher regiert wurde, hat die Zugehörigkeit der Pfalz bis 1920 und der Oberpfalz noch einmal ausdrücklich mit diesem Wappen teil dokumentiert. Der Rautenschild ist weder ein ursprünglich wittelsbachisches noch gar ein ober bayerisches Wappenbild. Es handelt sich dabei vielmehr um das Wappen der Grafen von Bogen, also echten Niederbayern. Herzog Ludwig I. der Kelheimer heiratete 1204 die böhmische Prinzessin Ludmilla, die die Witwe des Grafen Albert III. von Bogen war. Auch wenn die beiden unmündigen Söhne des Grafen von Bogen und Ludmillas noch weiterhin den Titel führten, hatte Ludwig der Kel heimer doch die Verwaltung der beträchtlichen Ländereien der Grafen von Bogen als Vormund, und übernahm so auch den weiß-blauen Rautenschild bereits in sein Wap pen, endgültig geschieht dies dann 1247. Es wird erzählt, daß ein früherer Graf von Bogen einmal an einem schönen Tag darüber nachgedacht ha ben soll, wie sein Wappen aussehen könnte, und dabei in den Himmel geschaut hat und dann gerufen hat, daß es nur weiß und blau sein könne. Warum sollte es nicht tatsächlich so gewesen sein! In der unteren Hälfte ist rechts - also von uns aus auf der linken Seite - ein biß chen ein komisches Tier, ein Löwenleib mit einem Drachenkopf, in der Heraldik, also in der Wappenkunde, hat man dies als Panther bezeichnet, auch wenn es etwas anders aussieht als die uns bekannte Raubkatze. Der steht für Niederbay ern, hat ebenfalls die bayerischen Farben weiß und blau, und ist auch ein echt niederbayerisches Wappen, nämlich das der Pfalzgrafen und späteren Grafen von Ortenburg. Diese hatten in Niederbayern und sogar in Oberbayern bis in den Chiemgau zunächst relativ großen Landbesitz, der allerdings im 12. und 13. Jahr hundert von den Wittelsbachern geschluckt wurde. Übrig blieb eine kleine Graf schaft um Ortenburg herum, aber durch Erbvertrag geht nach dem Aussterben der Grafen von Ortenburg im 17. Jahrhundert die kleine Grafschaft an Bayern, wobei die Wittelsbacher auch dieses Wappen in ihr großes Familienwappen auf nahmen. Ortenburg bleibt aber eine evangelische Enklave in Altbayern und ist es noch heute. Links oben - also für uns rechts - ist der sogenannte fränkische Rechen. Er ist wohl allen von den Bocksbeutelflaschen bekannt. Er steht für die drei fränkischen Regierungsbezirke Ober-, Mittel- und Unterfranken, kommt in den neuen Wappen der drei Regierungsbezirke sowie in den Wappen einiger fränkischer Landkreise, z.B. Schweinfurt und Ansbach vor, und kommt seit 1350 auch in den Wappen einiger Städte des Hochstifts Würzburg vor. Auch diese Bezugnahme auf ganz Franken ist historisch gesehen nicht ganz richtig. Der fränkische Rechen ist zuerst ein Teil wappen der Würzburger Fürstbischöfe, die ihn seit 1410 in ihren Siegeln und Wappen führen, nach deme sie bereits im 13. Jahrhundert mit dem damals praktisch nicht mehr existierenden und kaum über Würzburg hinaus reichenden (alten) Stammesherzogtum Franken im 12. Jahrhundert. Belehnt wurde. Alle an deren Gebiete Frankens hat ten ihr eigenes Wappen, in dem der fränkische Re chen nicht vorkommt, so der Reichsstadt Nürnberg, die Hohenzollern in Ansbach und Bayreuth, die mittelfrän kischen Reichsstädte, das zum Kurfürstentum Mainz gehörende Aschaffenburg, die Fürstbistümer Eichstätt und Bamberg. Lediglich im Wappen der Fürstbischöfe von Bamberg taucht der fränkische Rechen einigemale im 16. und 17. Jahrhun dert auf, jedoch nur deshalb, weil einige Bischöfe von Bamberg gleichzeitig Bi schöfe von Würzburg waren. Bayern wird 1806 Kö nigreich und erhält von da an bis zum Wiener Kongre 1815/16 erheblichen Ge bietszuwachs, aber erst König Ludwig I. Nimmt 1835 mit einem neuen Wappen des Königreichs den fränki schen Rechen in das bayerische Wappen auf, ebenso ein Wappen für die Schwaben, um "bei aller Einheit des Königreiches den einzel nen Stämmen ein ausgeprägtes Stammesbewußtsein beizubringen" - wie er sich äußert - und ihre Zugehörigkeit zu Bayern auch im Wappen kenntlich zu machen. Auch die Hinzunahme des angeblich "schwäbischen" Wappens links unten im großen Staatswappen ist historisch gesehen so eine Sache. Das was wir heute an dieser Stelle sehen, stammt allerdings nicht von König Ludwig I., sondern ist in dieser Form eine Darstellung im Wappen des Freistaats von 1950, hat jedoch durchaus historische Bezüge. Mit dem Tod des letzten Staufers Konradin, der 1268 in Neapel enthauptet wird, fällt auch das Erbe der Staufer, die ja Herzöge von Schwaben waren, an verschiedene Adelshäuser, im mittleren und östlichen Teil hauptsächlich an die Zähringer in Baden und die Grafen von Württemberg, im westlichen Teil - eben dem heutigen Regierungsbezirk Schwaben - an die Wit telsbacher, wobei andere heute zu Schwaben gehörende Teile wie z.B. das Fürst bistum Augsburg, die Fürstabtei Kempten, die Reichsstädte Augsburg, Kempten, Kaufbeuren und Memmingen und die Markgrafschaft Burgau erst zwi schen 1803 und 1816 an Bayern kommen und bis dahin selbständige Territorien im deutschen Kaiserreich bleiben, bzw. die Markgrafschaft Burgau Teil von Öster reich. Die heute vorhandenen drei springenden Löwen sind das Wappen der Ho henstaufen, das wir heut im Staatswappen des Landes Baden-Württemberg wie derfinden, allerdings ein bißchen moderner und eckiger. Wie schon gesagt hat Bayern nur einen relativ kleinen Teil aus dem Erbe der Staufer erhalten. Ehrlicher, allerdings auch weniger schön und heraldisch unkorrekt war deshalb die Darstel lung im Wappen des Freistaats Bayern nach 1919, in dem die Löwen nur mit ih rer vorderen, der Landkarte dem westlichen Teil Schwabens entsprechenden Hälfte dargestellt wurden. Die staufischen Löwen finden wir allerdings nicht im Wappen des Königreichs Bayern von 1835 bis 1919, dort ist vielmehr das Wap pen der Markgrafschaft Burgau enthalten, ein goldener Pfahl, also ein senkrech ter Farb streifen, vor einem mit schrägen roten und weißen Streifen geteilten Feld, das heute noch im Wappen des Regierungsbezirks Schwaben vorkommt. Soviel über Zusammensetzung und Herkunft des heutigen großen, von zwei Löwen flankierten Staatswappens und des Königswappens von 1835. Welche Wappen die Herzöge und Kurfürsten vorher hatten, muß einer eigenen Darstel lung vorbehalten bleiben. Es war aber immer der Pfalzgrafenlöwe und der Rau tenschild dabei, meist als viergeteilter Schild mit dem Löwen links oben und rechts unten (wappenmäßig gesehen) (bei den Pfälzer Wittelsbachern umge kehrt mit dem Löwen zuerst) bis 1624, in der Kurfürstenzeit von 1624 - 1805 mit einem Herzschild mit einem goldenen Reichsapfel in rot als Kurfürstenzeichen belegt, und im 18. Jahrhundert entwickelt sich dann der damaligen Sitte entspre chend ein pompöser Schild, in dem alle Länder der Kurfürsten, also auch z. B. die rhei nischen Herzogtümer Jülich und Berg, enthalten sind und das acht oder mehr Einzelwappen enthält, ebenfalls mit dem kurfürstlichen Reichsapfel als Herz schild.                                                                                                              

 Text von Johannes Michalik