König Ludwig I. Vortrag (13.1.2009)

Der Dom, Regensburgs erstrangiges mittelalterliches Denkmal, würde endlich ein seinem Range nach ebenbürtiges Umfeld erhalten.“ Hans-Christoph Dittscheid, Professor für Kunstgeschichte an der Universität Regensburg plädiert für die baldige Rückkehr von „König Ludwig I.“ auf den Regensburger Domplatz. Dem Denkmal zu Ehren und zur Verkürzung der Wartezeit bis zur Wiederaufstellung im Mai 2010 widmete der Verein „Welterbe Kulturfonds Regensburg – die Förderer“ dem königlichen Monument am Dienstag auf dem Gelände der Brauerei Bischofshof einen eigenen Abend. Vom Restaurator Maximilian Heimler gab es für die Rückkehr schon mal grünes Licht: Die sehr gute Statik des Bronzegusses sichere noch über Generationen hinweg die Standfestigkeit des Denkmals.

In der Restaurationswerkstätte auf dem Brauereigelände informierte Maximilian Heimler, leitender Restaurator bei Haber & Brandner, geschichtlich Interessierte wie Anhänger des Königs über die Fortschritte in der Restaurierung des Reiterstandbilds. Seit der Bergung des rund 1,6 Tonnen schweren Denkmals im Juli 2008 wurden vor allem restauratorische Voruntersuchung hinsichtlich des Gesamtzustandes, der Herstellungstechnik und der Patina vorgenommen. Zusätzlich wurde eine wissenschaftliche Endoskopie des Inneren des Standbildes veranlasst, um den Zustand der Befestigungsschrauben und Zapfen der einzelnen Gussteile zu überprüfen. Mit positivem Befund: Alle Bauteile - dabei handelt es sich um ca. 16 verschiedene Gussteile -  und Verbindungen bestehen aus reiner Bronze. Rostende und dadurch die Statik eventuell gefährdende Eisenschrauben wurden nicht eingebaut. Dadurch sei das Reiterstandbild noch über Generationen hinweg standsicher. Die Ausführungsqualität des Gusses in der Münchner Bronzegießerei Miller, so erklärte Heimler, könne als hervorragend und einem Königsdenkmal würdig bezeichnet werden.

Zuletzt seien einige Reinigungs- und Freilegungsproben angelegt worden, um die restauratorische Vorgehensweise zu klären. Die Patina des Standbilds sei sehr uneinheitlich, die Spanne reiche von hellgrünen Bereichen über schwärzliche Flecken, rieselförmige Ablaufspuren bis hin zu dicken Schmutzkrusten unter dem Mantel des Königs. Diese schädigenden  Auflagerungen müssen mit Skalpell und feinen Bürsten sorgfältig abgenommen oder zumindest reduziert werden. „Die historisch gewachsene Patina bleibt dabei erhalten, das Standbild wird sich weiterhin in den für Bronzedenkmäler typischen grünlichen Farbnuancen zeigen“,  berichtete der Restaurator. Erste Probeflächen zur Konservierung mit speziellem Mikrowachs würden zudem zeigen, dass das Standbild nach der Restaurierung und Konservierung optisch erheblich gewinne und mit dem dezenten Glanz der Wachskonservierung dem ursprünglichen Erscheinungsbild zur Aufstellung im Jahr 1902 wieder nahe komme.

„Das Reiterdenkmal König Ludwigs I. wurde 1902 von Bürgern Regensburgs als Zeichen ihrer Dankbarkeit errichtet“, klärte Professor Hans-Christoph Dittscheid die Zuhörer im Bischofshof Schalander auf. Ludwig I. hätte mit klarem Blick erkannt, dass Regensburg nach dem Verlust der Funktion als freie Reichsstadt in die provinzielle Bedeutungslosigkeit abzusinken drohe. Daher habe er die Walhalla, die Befreiungshalle bei Kelheim sowie die Vollendung des Regensburger Doms, dem er vor allem die beiden Türme schenkte, gestiftet. Alle drei Monumente bedeuteten unterschiedliche Ausprägungen eines deutschen Nationaldenkmals. Das Reiterstandbild sei demnach untrennbar mit dem Dom verknüpft gewesen. 1936 wurde es durch die Nationalsozialisten als angebliches Verkehrshindernis entfernt und in der Carl- Anselm-Allee aufgestellt. Dort vermochte das vom Münchner Akademiedirektor Ferdinand von Miller geschaffene Denkmal von hoher künstlerischer Qualität, so Dittscheid, seinen ursprünglichen Sinn nicht mehr darzustellen.

Aus historischer, künstlerischer und nicht zuletzt auch aus ökologischer Sicht wäre die Rückführung an den ursprünglichen Standort sehr zu begrüßen, schloss der Professor seinen Vortrag: „In der zu erwartenden Zurückdrängung des Autoverkehrs könnte der Gedanke der Domfreiheit, wie er mit der Platzanlage untrennbar verknüpft war, endlich wiederhergestellt werden. Der Dom, Regensburgs erstrangiges mittelalterliches Denkmal, würde endlich ein seinem Range nach ebenbürtiges Umfeld erhalten.“